Wer ist eigentlich...? - Herr Prof. Müller

Du bist neu an der Hochschule, liest eine Modulbeschreibung und hast keine Ahnung wer dein Dozent ist?
Du bist schon eine Weile an der Hochschule und hast auch keine Ahnung wer im nächsten Semester dein Dozent ist?
Dem wollen wir Abhilfe schaffen. Wir stellen den Dozenten 10 Fragen, welche Sie frei beantworten können.
Bekomm einen Eindruck wer die Dozenten sind und womöglich fällt es dir dann leichter zu fragen oder etwas zu sagen!

10 Fragen an … Herrn Prof. Müller!

Wer sind Sie überhaupt?

Ich bin Herr Jean-Alexander Müller. Komische Frage. Ich bin Platz 5 von 42 in der Altersliste der Professoren, obwohl ich seit 2008 an der HfTL lehre. Mal abgesehen von den Laboringenieuren kann die Frage, wer ich überhaupt bin, beantwortet werden mit: Einer der Jüngsten!

Wo kommen Sie her?

Ich bin Leipziger. Ich habe schon immer hier gewohnt und komme direkt aus der Südvorstadt. Es gibt Menschen, die mögen da lieber Connewitz zu sagen, aber es ist die Südvorstadt. Ich war nur etwa 4 Jahre nicht in Leipzig. Ein Jahr Bundeswehr in Weißenfels und lebte 3 Jahre wegen der Berufsausbildung in HaNeu – Halle-Neustadt. Mittlerweile soll es dort viel schöner sein als damals. Es entwickelt sich dort.

Seit wann sind Sie dabei?

Seit Dezember 2008 bin ich an der HfTL. Ich war seit 2004 Professor an der HTW Dresden. Im Januar 2007 rief mich ein Freund an und sagte, die Telekom suche Profs. Zu dieser Zeit waren 5 Professuren ausgeschrieben. In den Zeitraum fielen u.a. auch Prof. Wagner und Prof. Strutz. Wir sind noch im Jahre 2007. Von diesen fünf wurden drei sofort berufen. Zwischenzeitlich wurde diskutiert, ob wir nicht alle lieber zum Land Sachsen gehen wollen. Aus diesem Grund wartete ich noch knapp 2 Jahre und dann musste es schnell gehen, weil die Stellenfreigabe nur noch für das damalige Jahr galt und ich somit kurzfristig im Dezember 2008 anfangen durfte.

Was haben Sie mal studiert?
Informatik natürlich. An der Universität Leipzig. Ganz ehrlich: Das ist mir ganz wichtig. Auch wenn das arrogant klingen mag, ich habe viele Menschen getroffen, die Informatik lehren, die aber nicht Informatik studiert haben. Da gibt es immer wieder ein paar Sichtweisen, die ich gerne anders beobachten würde.
Im Nachgang bin ich den Profs der Uni Leipzig dankbar für die Inhalte, Lehrformen und Prüfungsarten. Das war wirklich gut.

Was lehren Sie hier?

Ich darf hier Netze lesen. Genau genommen Rechnernetze/Computernetze. Früher habe ich auch noch Internettechnologien, Rechnerarchitektur, Betriebssysteme usw. gelesen. Da wir hier jedoch viele verschiedene Studienformen haben, sind die meisten Professoren sehr monothematisch unterwegs. Parallelverarbeitung und Dokumentenmanagementsysteme sind Interessengebiete, von denen ich das letztere in die Profilierungsangebote der Angewandten Informatik einbringen konnte. Das wir so ab 2017 im Stundenplan auftauchen. Die Uni Leipzig hat(te) eine Ausprägung im Bereich Information Retrival etc., welche uns alle durch einen der Professoren dazu gebracht hat, über Suchmaschinen und Suchalgorithmen usw. nachzudenken.
Nun muss ich noch etwas äußern, was Sie womöglich zum ersten Mal hören: Diese Fachhochschule ist extrem untypisch. Alle anderen Fachhochschulen haben im Grunde nur eine Studienform. Dort muss sich jeder Professor überlegen, in welchen Gebieten er noch lehren kann. Er oder sie hat eigentlich gar nicht die Chance, mit seinem Berufungsgebiet auf seine 36 Semesterwochenstunden p.a. zu kommen. Die Lehrenden müssen also noch andere Gebiete abdecken. An der HfTL ist das nicht so.

Woran forschen Sie gerade?

Im Prinzip forsche ich seit 2 Jahren nicht mehr. Ich komme als Prorektor einfach nicht mehr dazu. Davor haben wir im Bereich Protokollerkennung geforscht und versucht, dies in Software Defined Network (SDN) einzubringen. Mein Anteil daran bzw. das Interesse bestand von jeher in den Bereichen Rechnerarchitektur, Parallelisierung bzw. paralleler Algorithmen – also gar nicht so sehr im Bereich Netze. Im Bereich Netze kann man seit einiger Zeit nicht so wahnsinnig viel erfinden. Oder anders formuliert: Im Bereich Netze treibt die Industrie die Standards und die Forscher haben das Nachsehen, weil sie die Systeme nicht verändern können. Mit SDN könnte sich das langsam ändern.

Was erwarten Sie von den Studenten?

Schöne Hürde diese Frage, schön hoch! Aus meinen Evaluationsgesprächen ergibt sich immer eine Aussage, die ich zurückgebe: Wir können über alles reden, aber nicht über den Anspruch. So, und den senke ich nicht. Ich erwarte, dass man selbst studiert und offen ins Gespräch geht. Im Hörsaal geht es mir oft so, dass ich eine Frage stelle und vielleicht zögerlich eine Antwort bekomme, weil die Menschen der Meinung sind, man sagt vielleicht was Falsches und blamiert sich dann. Aber ich habe noch nie erlebt, dass Studierende untereinander oder in der Lehrveranstaltung sich gegenseitig anzinken. Auch hier könnte ich es wieder anders formulieren, wie ich es auch für meine Kinder formuliere: Ich habe es noch nie erlebt, dass jemand für einen schlechten Vortrag ausgelacht wurde. Bei einem schlechten Vortrag gehen die Zuhörer nach dem Vortrag einfach weg und sprechen über andere Themen – das ist das Feedback, das man sofort bekommt.
Ansonsten wächst man eigentlich nur mit Fragen und durch Diskussion. Das wäre das, was ich von Studierenden erwarten würde. Alles andere ergibt sich von selbst.
Auf der anderen Seite gibt es auch Lehrkräfte (mich eingeschlossen), die sich manchmal nicht die Mühe geben oder nicht drüber nachdenken, wie ihr Stoff herüber gebracht wird. Betonen muss ich hier aufgrund der Erfahrungen mit Außenstehenden, dass dieses „MANCHMAL“ in der Bedeutung des DUDENs zu verstehen ist, also: „nicht regelmäßig, hin und wieder, …“. Allerdings habe ich auch Lehrende getroffen, bei denen das wirklich im Herzblut drinnen ist. Genauso wie bei Studierenden. Wenn ein Hochschullehrer berufen wird, muss er keine hochschuldidaktische Erfahrung haben. Wenn jemand an die Universität zum Universitätsprofessor berufen wird, dann muss sie/er vorher eine Habilitation haben, die eine Lehrprobe einschließt. Man schreibt also ein Lehrbuch und hält eine Vorlesungsreihe – was allerdings nicht bedeutet, dass man die richtige Didaktik an den Tag legt. Die HfTL nutzt das HDS (Hochschuldidaktische Zentrum Sachsen), welches im Prinzip all unsere Lehrkräfte besucht haben. Dadurch sollten wir alle ein bisschen mehr sensibilisiert sein dafür, dass es verschiedene Lerntypen unter den Studenten gibt. Von den Studenten verlange ich aber auch, dass sie sich im Klaren sind/werden, was sie für ein Lerntyp sind. Wäre ich nochmal ein Student, so würde ich wohl keine Vorlesung besuchen. Ich bin der Typ, der sich die empfohlene Literatur besorgt und an Diskussionen in Seminaren und Übungen teilnimmt. Daher mein Tipp an die Studenten: Googeln Sie nach Lerntypen, damit Sie sich weniger damit beschäftigen, dass Sie nicht können, was der Professor von Ihnen verlangt, sondern versuchen Sie das Verlangte auf Ihre Art und Weise hinzubekommen.
Ansonsten denke ich, es sind immer so 20 .. 30 % aus der Gruppe, welche wirklich gut sind und die anderen mitziehen. Dann kommt genau das Klima zustande, das wir für gute Lehre brauchen. Zurzeit haben wir das Problem, dass wir extrem wenige Studierende im Direktstudium haben. Und um es mal freundlich zu formulieren: Dann ist die Statistik nicht unser Freund, weil wir nicht auf die statistische Gleichverteilung hoffen können.

Würden Sie sich als „Exmatrikulator“ bezeichnen?

Ich nehme an, dass ein Exmatrikulator jemand ist, der Studierende zum Aufgeben bringt. Der allgemeinen studentischen Definition nach. Das bin ich natürlich nicht. Wie ich vorhin schon sagte, nehme ich den Anspruch nicht runter. Aber hier und auch an meiner alten Hochschule habe ich niemanden kennengelernt, der die Studenten rausprüft. Ich kann eine TU Dresden verstehen, dass sie komische Wege gehen muss, wenn sie 1.000 Studenten in die Informatik immatrikuliert, aber nur Lehrpersonal für 200 hat. Hier an der HfTL ist es so, dass wir bewusst gesagt haben, wir wollen das Nachgespräch nach der 2. Wiederholungsprüfung. Das ist eher ein Zeichen für das Einräumen von Chancen.
Bisher habe ich die Erfahrung gemacht, dass Studierende mit schlechten Noten oder nicht bestandenen Prüfungen das Gespräch suchen und zum Nachgespräch der zweiten Wiederholungsprüfung gehen. Ich beobachte, dass Einsichten vorhanden sind, die erkennen lassen, dass man das Thema verstanden hat, oder wo die Defizite beim Lernen gelegen haben. Bisher habe ich eigentlich nur Menschen getroffen, die es hätten packen können und für die würde ich auch gern die Weichen stellen, damit sie es schaffen.

Wieso haben Sie sich entschlossen Prof./Dr./Dozent zu werden?

Es waren keine Entschlüsse sondern Zufälle, oder Unfälle wie ich manchmal sage.
Damals nach meinem Studium habe ich mich auf 3 Stellen beworben. Ich war vorher nebenher PC-Techniker und später Hilfskraft am Max-Planck-Institut, u.a. um dort meine Abschlussarbeit über Netze zu schreiben. Ich wäre gern bei der Max-Planck-Gesellschaft geblieben, weil es dort eine besondere Kultur des Arbeitens und des Betreibens von Wissenschaft gibt. In dem Team am MPI haben alle Studenten gefühlt länger als verpflichtet gearbeitet und sich zwischendurch mal Pausen genommen, um zu diskutieren. Das hat uns alle unheimlich voran gebracht. All dies war ein Anreiz, in der Wissenschaft zu bleiben. So passte es, dass an der Uni Leipzig eine Assistentenstelle angeboten wurde. Zu der Zeit war es noch so, dass Informatiker extrem gesucht waren und es eine volle Stelle gab, was man heute nicht mehr so findet und an Universitäten grundsätzlich eher untypisch ist. Warum aber habe ich promoviert? Wie der Zufall es wollte, war Quality of Service im Internet (heute Netzneutralität) ein heißes Thema und ich hatte für ein Problem eine Lösung im Blick. Zufällig konnten wir vom DFN e.V. eine Finanzierung für das Projekt erhalten und schon waren alle Grundlagen für eine Dissertation vorhanden. Als ich am Ende des Projekts meine Doktorarbeit schrieb, wurde in Dresden eine Professur ausgeschrieben, auf die ich mich bewerben sollte. Bei dieser landete ich auf Platz 2 und Platz 1 hat abgesagt. (lacht)
Aber noch ein Wort zu Berufungsverfahren: Sie sind ein Glücksspiel. Man kann sehr flexibel sein, in ganz Deutschland wohnen können wollen, aber auch dann ist nur die Quote etwas besser. Grundsätzlich ist es ein Glücksspiel.

Beenden Sie bitte folgenden Satz:

„HfTL – Hier beginnt …“
Auch wenn in der öffentlichen Kommunikation teilweise Buzzwordbingo gespielt wird, so muss klar sein, dass dies hier eine Hochschule für Informations- und Kommunikationstechnologie ist. Es gehört vieles mit dazu. Wer die HfTL verlässt, kann IKT in großer Breite und mit Tiefenverständnis. Absolventen anderer Hochschulen haben sicherlich Elektrotechnik oder Informatik im Blut. Und keine Frage, unsere Wirtschaftsinformatik ist eine generischere Disziplin, welche es auch woanders gibt.
Aber: Zurzeit beginnt hier IKT!
Wir hatten an der HfTL große Kompetenzen in der Hochfrequenztechnik und der EMV. Ich sage “hatte”, weil die dazugehörigen Professoren das Haus verlassen haben. Auf der anderen Seite bilden gerade unsere neuen Professoren Kompetenzen ab, welche man in einem normalen Studiengang Elektrotechnik nicht erwerben kann (und soll). An dieser Stelle kommt uns das gerade anfangs erwähnte Monothematische zugute: Unsere Professoren können sich auf ihrem Gebiet spezialisieren und sind dadurch wirkliche Profis, denn sie müssen nicht noch 3 oder 4 andere Gebiete abdecken.

1 Kommentar

jh

01.09.2016 15:41

n1

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