Wer ist eigentlich...? - Herr Prof. Möbert

Du bist neu an der Hochschule, liest eine Modulbeschreibung und hast keine Ahnung wer dein Dozent ist?
Du bist schon eine Weile an der Hochschule und hast auch keine Ahnung wer im nächsten Semester dein Dozent ist?
Dem wollen wir Abhilfe schaffen. Wir stellen den Dozenten 10 Fragen, welche Sie frei beantworten können.
Bekomm einen Eindruck wer die Dozenten sind und womöglich fällt es dir dann leichter zu fragen oder etwas zu sagen!

10 Fragen an … Herrn Prof. Möbert!

Wer sind Sie überhaupt?

Prof.Dr.rer.nat.Thomas Möbert, 1955er Jahrgang, seit 1978 verheiratet, 3 Kinder, inzwischen 3 Enkel und wenn die Zeit es zulässt, musiziere ich gern (Klavier & Gitarre) oder jage zweimal pro Woche mit jungen Leuten dem Fußball hinterher.

Wo kommen Sie her?

In Leipzig geboren, zur Schule gegangen, im Radio-DDR-Kinderchor gesungen, studiert und gearbeitet aber trotzdem weit in der Welt herumgekommen (;-).

Seit wann sind Sie dabei?

Die Computer-Branche hatte mich schon 1969 in ihren Bann gezogen, als im Frühjahr zur Messe die erste Datenfernübertragung von Leipzig nach Moskau erfolgreich etabliert wurde. Das hätte mich schon früh zu einer Rechentechnik-Lehre bei ROBOTRON (Kombinat Elektronik- und EDV-produzierender Firmen und größter Computerhersteller der DDR) führen können. Da jedoch zu dieser Zeit der enorme Bedarf von Computer-Fachkräften erkannt und bewältigt werden musste, hat mich dieser (zu meinem Glück) in ein Mathematik-Studium hinein gesogen. Im Zeitraum 1980-1985 war ich Assistent in der Mathematik-Ausbildung, meine erste Informatik-Vorlesung habe ich 1987 an der TH Leipzig (jetzt HTWK) gehalten und seit 1999 bin ich an dieser Hochschule als Professor für Informatik berufen. Meine Promotionschrift habe ich übrigens zu einem Optimierungs-Thema unter dem Titel: „Dynamische Programmierung für komplexe Systeme und ihre Einbettung in eine mehrfach iterierte lokale Minimumsuche“ im Jahr 1985 verfasst.

Was haben Sie mal studiert?

Von 1975-80 habe ich Mathematik an der Leipziger Uni studiert mit einer Spezialisierung (nach dem sogenannten Grundstudium) auf den Gebieten OR (Operations Research) und Optimierung. Ein nicht unwesentlicher Teil des Studiums war auf Themen ausgerichtet, die man heute im Rahmen eines Informatik-Studiums antrifft (z.B. Kybernetik, Algorithmen, Programmierung, Logik, Grammatiken, Numerik, Turing Maschine, Registermaschinen u.a.).

Was lehren Sie hier?

Im ersten Semester lehre ich die Basics der Informatik (Informationstheorie, Zeichen- und Zahl-Codierungen, Logik, Assembler, Algorithmierung) und im zweiten Semester die Algorithmen und Datenstrukturen (ADS). Basierend auf meinen Ethernet-Erfahrungen seit 1987 und den frühzeitigen INTERNET-Erfahrungen seit 1990 biete ich auch gern das Thema Kommunikationsnetze an. Andere Säulen der Informatik (Betriebssysteme, Rechnerarchitekturen, Datenbanken, Programmierung) hatte ich früher auch schon in meinem Lehrdeputat.

Woran forschen Sie gerade?

In den letzten Jahren standen Netzwerk-Thematiken wie z.B. DPI (Deep Packet Inspection), QoS (Quality of Service und Verkehrssteuerung), EPC (Evolved Packet Core) und Methoden der Netzwerk-Steganographie (versteckte Verkehre) im Mittelpunkt meines Interesses. Mein spezieller Fokus ist jedoch vor allem auf netztechnologische Algorithmen wie z.B. Algorithmen für multikriterielles Routing, Algorithmen zur Generierung von Verkehrssignaturen oder allgemeine Verkehrsanalyse ausgerichtet. Insbesondere in controllerbasierten SDNs (Software Defined Networks) mit virtualisierten Netzfunktionalitäten (NFV/VNF) werden solche Algorithmen zunehmend Einzug halten.

Was erwarten Sie von den Studenten?

In erster Linie erwarte ich als Hochschullehrer interessierte, neugierige, engagierte, kritische, fleißige und im Geist junge Menschen, die sich intensiv und tiefgründig (als Gegenteil von oberflächlich) mit Sachverhalten auseinandersetzen wollen und können. Bildung ist halt mehr als „googeln“ und YouTube-Videos sind zwar eine bequeme Bildungsergänzung aber ersetzen die aktive Mitarbeit in Lehrveranstaltungen (Anwesenheit vorausgesetzt) auch heute nicht. Ich wünsche mir vor allem Studierende, die studieren (lat.studere = danach streben/sich bemühen/sich widmen)! Aber auch ehrlichen Nachfragen (auch anonym) von Studierenden zur Klärung von persönlichen Problemen mit den Fachgebieten der Informatik sehe ich mit Interesse entgegen.

Würden Sie sich als „Exmatrikulator“ bezeichnen?

Keinesfalls, denn mein Leitmotiv ist eher darauf ausgerichtet, keinen im Wissenszeitalter zu verlieren. Aber als Studierender muss man danach streben, tief in die Wissensgebiete einzudringen. Wenn ich das vermisse, verspüre ich Zweifel an der Ernsthaftigkeit des akademischen Vorhabens. Leider passiert es in letzter Zeit häufiger, dass selbst in der zweiten Wiederholungsklausur die zum Bestehen erforderliche Mindestpunktzahl wesentlich unterschritten wurde. Und bei einer oberflächlichen Bachelorarbeit unter 30 Seiten habe ich auch kein schlechtes Gewissen bei der Ablehnung. Böse Worte hat es aber deshalb noch nie gegeben. Die Akkreditierung verlangt nach einer vorbildungsfreien Informatik-Grundlagen-Lehre und dies verbunden mit einer föderalistisch erzeugten Vorbildungsvielfalt zwingt allein schon zu einigen Bildungskompromissen.

Wieso haben Sie sich entschlossen Prof./Dr./Dozent zu werden?

Das war wohl weniger ein spontaner Entschluss, sondern eher ein Resultat eines Lebensweges. Vielleicht war es auch eine natürliche Folge von Wissbegierde, Neugier, Forscherdrang … und einer Dressur als Dozent für Turbo-Pascal-, MSDOS-, UNIX-, MS Office- und HTML-Lehrgänge. Lehre für Andere bedeutet auch immer eigene uferlose Weiterbildung und manche Stunde zwischen Mitternacht und Morgengrauen habe ich (auch mit Baby im Arm) darüber schon sinniert. Keinesfalls schließe ich mich entsprechenden ironisch bis sarkastischen Gründen für das „Professor werden“ an (siehe z.B. „Professor Untat“). Die Folgen von der Korrektur hunderter Klausuren im Urlaub, von sich widersprechenden Evaluierungsmeinungen, von Studierendenschelte oder gar einer bedrohlichen Bildungsökonomie waren mir persönlich beim Beruf(ung)sstart so noch nicht allgegenwärtig. Aber ein begeistertes Klopfen am Vorlesungsende entschädigt schließlich für all das.

Beenden Sie bitte folgenden Satz: „HfTL – Hier beginnt …“

Hier beginnt nicht nur Ihre akademische Zukunft sondern auch eine neue Bildungsetappe Ihres Lebens, ein Qualitätssprung in Ihrer Persönlichkeitsentwicklung und hoffentlich eine Zeit, an die Sie sich auch im Alter noch gern zurück erinnern werden.

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