Wer ist eigentlich...? - Herr Böhne

Foto: Portrait Martin Böhne // Quelle: Martin Böhne // Fragen von Carl-Theodor Geilhufe und Mario Hoffmann

Foto: Portrait Martin Böhne // Quelle: Martin Böhne // Fragen von Carl-Theodor Geilhufe und Mario Hoffmann

Du bist neu an der Hochschule, liest eine Modulbeschreibung und hast keine Ahnung wer dein Dozent ist?
Du bist schon eine Weile an der Hochschule und hast auch keine Ahnung wer im nächsten Semester dein Dozent ist?
Dem wollen wir Abhilfe schaffen. Wir stellen den Dozenten 10 Fragen, welche Sie frei beantworten können.
Bekomm einen Eindruck wer die Dozenten sind und womöglich fällt es dir dann leichter zu fragen oder etwas zu sagen!
Doch halt! Diese Fragen stellen wir nicht nur Lehrkräften, sondern auch Mitarbeitern und Führungskräften unserer Hochschule.

10 Fragen an … Herrn Böhne!

Wer sind Sie überhaupt?

Ich heiße Martin Böhne und wurde in diesem Jahr 57 Jahre alt, bin verheiratet und wohne mit meiner Frau und den zwei Kindern im Rheinland. Da ich Westphale bin, durfte ich mich der rheinischen Mentalität anpassen. Dies habe ich insbesondere unter dem Aspekt des Miteinanders und des guten Umgangs auch getan. Ich konnte also ein wenig meinen westphälischen Sturkopf ablegen. Mit 16 Jahren habe ich relativ spät damit angefangen, sehr intensiv Taekwondo zu betreiben und es dabei bis zum dritten Meistergrad zu schaffen. Dies hat mich in meiner Persönlichkeit sehr geprägt. Als Vollkontaktsportler kann man zwar nicht immer „lieb“ sein, denn das klappt auch in einem Unternehmen nicht. Die ethischen Grundsätze, die mir von meinen Meistern bei der Kampfkunst vermittelt wurden, prägen mich noch heute.

Wo kommen Sie her?

Ich bin sozusagen im Schatten eines Förderturms groß geworden, denn ich komme aus dem nördlichen Rand des Ruhrgebiets, aus dem Ort Marl. Dies war eine echte Zechenstadt, und wir wohnten auf der Schachtstraße – daher der Turm! Meine Familie ist von beiden Elternteilen her durch den Bergbau berührt. Zum Einen wurde mein einer Großvater nach dem Krieg Bergmann und zum Anderen war mein anderer Urgroßvater Steiger. Daher hatten wir den Vorteil in einem großen Haus wohnen zu können. In dieser ganzen Zeit konnte ich sehr viel gewinnen und lernen. Unter anderem die Folgen des Strukturwandels im Bergbau, welcher zu Zechensterben führte und die gesamte Umgebung prägte. Ich konnte in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit von guter und starker betrieblicher Mitbestimmung sehen, da mein Großvater Betriebsratsvorsitzender in einer Zeche war.

Seit wann sind Sie dabei?

Bei der Telekom bin ich seit 1991. Bei der Post seit 1990. Ich war im letzten Jahrgang, in dem die drei „Postunternehmen“ noch gemeinsam eingestellten. Die letzten Kandidaten trafen sich in einem gemeinsamen Assessmentcenter! Zuvor wurde über die Papierform und durch Vorstellungsgespräche in den Direktionen der Bewerberkreis stark ausgedünnt. Auf endgültig 24 Stellen kamen zu Beginn 3.000 Bewerber.

Was haben Sie mal studiert?

In der Ruhruniversität Bochum studierte ich Jura. Wir hatten noch die Möglichkeit, das Studium stark mit Fächern aus anderen Fakultäten zu bereichern. Meine Studienschwerpunkte lagen auf Strafrecht und Kriminologie und im Bereich Wirtschaftsrecht. Vertiefen konnte ich deswegen Themen wie Psychologie und forensische Psychiatrie: also Täterverhalten, Tätergenese, Opferfürsorge, und Opferverhalten etc.. Daneben hörte ich auch benachbarte Fächer wie Verhaltenspsychologie bei namhaften Verhaltensforschern wie Prof. Delius. Im Bereich des zweiten Schwerpunktes standen Themen wie praxisorientierte Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftsrecht mit Ausflügen ins Wettbewerbsrecht und Bankbörsenrecht, aber auch Steuerrecht in intensiven Seminaren. Nach meinem ersten Staatsexamen folgte das zweite und begleitend zum Referendariat bereits die Arbeit in zwei Kanzleien. Ich hätte bleiben können, um Anwalt zu werden. Allerdings nahm ich das Angebot von der Post wahr, allerdings mit der Perspektive, Anwalt immer noch werden zu können.

Würden Sie an der HfTL lehren?

Nachdem ich damals bei der Deutschen Bundespost Telekom eingestiegen bin, wurde mir das Angebot unterbreitet, als Professor an einer anderen eigenen Fachhochschule zu unterrichten. Jedoch entschied ich mich genauso dagegen, wie ich mich zuvor gegen die Tätigkeit als Anwalt entschied. Zu den anderen Herausforderungen in der Telekom gehörte unter anderem die Internationalität und die Perspektive auf Führungsverantwortung. Mittlerweile lehre ich jedoch tatsächlich gern. Ich habe bereits an anderen Hochschulen Vorlesungen gehalten, allerdings nicht in „Recht“. Bei den Vorlesungen ging es um interkulturelle Themen. Aufgrund meiner Erfahrungen, gerade bei der Gründung des letzten Joint-Ventures mit France Telecom (nun Orange) mit Kollegen aus 25 Ländern, konnte ich für die Studenten – denke ich – interessante Perspektiven eröffnen. Dies natürlich aus praktischer Sicht: nämlich wie funktioniert die Zusammenarbeit und wie nicht. Es ist z.B. schon erstaunlich wie unterschiedlich sich zwei Länder wie Frankreich und Deutschland trotz der großen Nähe entwickeln konnten. Ich möchte hier kurz drei Kernpunkte der Interkulturalität nennen: 1. Es gibt Unterschiede und die müssen wahrgenommen werden. 2. Nie als erste Reaktion verärgert sein, mit großer Wahrscheinlichkeit ist etwas anders gemeint oder/und ich habe etwas falsch verstanden. 3. Eine große Gefahr in langfristiger Zusammenarbeit ist die sogenannte „Friendly-Avoidance“. Kritische Punkte müssen frühzeitig und klar (und zumindest respektvoll) angesprochen werden. Ich möchte somit festhalten, dass ich blockartigen Unterricht geben könnte, wenn die HfTL mich für Themen haben möchte, bei welchen ich tatsächlich einen Beitrag für alle leisten kann.

An welchen Projekten arbeiten Sie gerade?

Diese Frage brauchen wir ja nicht lange zu diskutieren. Mein großes Projekt ist die Weiterentwicklung der Hochschule für Telekommunikation Leipzig und deren langfristige strategische Ausrichtung. Insofern biete ich neben der Steuerung des Projekts auch – falls vom Rektorat nachgefragt – gern meine Erfahrung bei den operativen Themen quasi gratis mit an. Diese Aufgabe ist für mich aktuell fast spannender und herausfordernder als die Gründung einer auch internationalen Gesellschaft. Die Gründung eines Joint Ventures verlangt natürlich „handwerkliche“ Präzision, sie ist schwierig und mit einem enormen Arbeitsaufwand verbunden. Die langfristige Ausrichtung einer Hochschule stellt allerdings für mich auf ganz neue und interessanter Weise auch „politische“ und kulturelle Herausforderungen dar und macht enorm Spaß. Z.B. Ihre Rolle als Studentenrat habe ich erst hier kennengelernt.

Was erwarten Sie von den Studenten?

Meine Erwartungen an die Studenten sind relativ einfach zu formulieren. Allerdings muss ich sagen, dass ich „Die Studenten“ nicht kenne. Ich kenne Sie, den Studentenrat – somit sind Sie für mich „Die Studenten“. Von daher kann ich sagen, dass ich mit Ihnen einen offenen und auch vertrauensvollen Umgang suchen werde. An der Offenheit müssen wir nicht mehr arbeiten. Das Vertrauen zueinander wird ohnehin mit der Zeit wachsen. Wir werden da gemeinsam lernen. Es kommt immer zurück, wie man in den Wald ruft und ich suche mit Ihnen den Austausch. Das ist mein Angebot und ich sehe mich persönlich auch nicht am Ende meines Lernens. Ansonsten könnte ich gleich ins Grab gehen.

Was können wir von Ihnen erwarten?

Als erstes muss ich anmerken, dass ich von Seiten des Unternehmens einen Auftrag habe und so offen sein werde, wie ich es sein darf. Das ist klar. Ich werde meine Erfahrungen vollständig für die HfTL einsetzen. Sie können davon ausgehen, dass Sie als Vertretung der Studierenden wie auch z.B. der Betriebsrat relativ frühzeitig Informationen erhalten werden, wenn Entscheidungen anstehen. Dabei setze ich mir selbst Deadlines und werde auch offen mitteilen, wenn diese Information nur einem eingeschränkten Personenkreis bekannt sein dürfen.

Wieso haben Sie sich entschlossen in die Wirtschaft zu gehen?

Das ist relativ spannend. Wie ich bereits anfangs erwähnte, habe ich eigentlich Jura studiert, um Anwalt zu werden. Nun, ich bin von Hause aus nicht besonders vermögend – gewesen. Mein Studium habe ich damit finanziert, indem ich selbst Sportstudios betrieben habe. Das hat mir natürlich auch Spaß gemacht, da ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Gleichzeitig konnte ich darüber bereits relativ früh Erfahrungen in eigener und zwar vollständiger Verantwortung in der Wirtschaft schöpfen. Der erste Impuls in ein Großunternehmen zu wollen kam für mich, als ich über die Tätigkeit der Anwaltskanzlei die Erfahrung machte, dass ich nur wenig vertiefte (Denk-)Leistung erbringen durfte. Beispielsweise musste man damals als Anwalt pro Stunde 200 bis 300 DM verdienen, um sich zu rentieren und den ganzen Unterbau zu finanzieren. Und es ist geistig nicht besonders fordernd nach den Gerichtsterminen am Morgen (die laufen auch anders ab, als im Fernsehen) auf der linken Seite einen Stapel Verkehrsunfallklagen zu haben und nach 2 Stunden Diktat einen Stapel auf der rechten Seite, auch wenn man 5.000 Euro (damals DM) Gebühren erzeugt hat. Ich hatte also die Wahl, ein junger Anwalt zu sein, der viel und schnell Geld verdient oder ein wirklich guter „Anwalt, der seine Fähigkeiten einem Mandanten, also dem Unternehmen, zur Verfügung stellt. In der Post bzw. der Telekom wurde uns schon im Auswahlverfahren die Chance dargestellt, inhaltlich zu arbeiten, große Verantwortung zu haben und auch zu führen und damit einen ganz anderen Hebel „bewegen zu dürfen“. Die Durchdringung dieses Sachverhalts war in jungen Jahren vielleicht noch nicht ganz so klar, wie es sich jetzt liest, jedoch als Gefühl stets vorhanden. Nachträglich betrachtet bin ich mehr als zufrieden über diesen Schritt und empfinde auch Dankbarkeit für die Chancen, die mir gegeben wurden.

Beenden Sie folgenden Satz: „HfTL – Hier beginnt…“

… man könnte an dieser Stelle verschiedene Beispiele anbringen. Beispielsweise „Hier beginnt die Digitalisierung“. Aber nein, ich glaube, dass ich eher pragmatisch sein sollte. Im Augenblick beginnt hier eine neue langfristige Ausrichtung und ich werde mich freuen, diese auch in der Entscheidung und in der Umsetzung zu begleiten.

1 Kommentar

Cikrikci

13.03.2017 00:04

Herr Böhne ich habe eine frage haben sie in Bochum Sport Verein gehabt? Gruß aus Bochum

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